Der gleiche Restbetrag: So funktioniert das Modell

Die Formel, die Grenzen und die Praxis: Wie das Modell des gleichen Restbetrags rechnet, wann es scheitert und für wen es die fairste Lösung ist.

ZUGEHÖRIGES MODELL: Gleicher Restbetrag →

Zwei unterschiedlich lange Balken, aus denen zwei exakt gleich lange Stücke herausragen
ILLUSTRATION · ZWEITEILEN · RATGEBER

Die meisten Aufteilungsmodelle beantworten die Frage: „Wer zahlt wie viel?“ Der gleiche Restbetrag stellt eine andere Frage: „Wie viel bleibt jeder Person übrig?“ Wer diese Frage für wichtiger hält, landet bei diesem Modell, dem konsequentesten und zugleich am meisten missverstandenen der fünf.

Die Idee

Nach den gemeinsamen Kosten soll beiden derselbe Betrag zur freien Verfügung bleiben. Nicht derselbe Anteil (das macht das Einkommensmodell), sondern derselbe absolute Betrag. Die Logik dahinter: Geld ist im Alltag keine Prozentrechnung. Ob jemand mit 2.100 € oder mit 3.700 € Einkommen lebt, entscheidet sich in absoluten Zahlen. Miete kostet 1.600 €, das Leben kostet soundso viel. Gleicher Rest bedeutet: gleiche reale Freiheit.

Die Formel

Gesucht ist der Beitrag x von Person A, sodass gilt:

Einkommen A − x = Einkommen B − (Kosten − x)

Aufgelöst: x = (Einkommen A − Einkommen B + Kosten) ÷ 2. Das ist alles, eine Zeile Mathematik.

Beispiel mit 2.100 €, 3.700 € und 1.600 € Kosten: x = (2.100 − 3.700 + 1.600) ÷ 2 = 0. Person A zahlt nichts, Person B zahlt 1.600 €, beiden bleiben 2.100 €.

Wo das Modell an seine Grenze stößt

Die Formel liefert nicht immer ein sinnvolles Ergebnis. Wird x negativ, müsste Person A Geld dazubekommen. Die Aufteilung ist dann nicht machbar. Beispiel: Person A verdient 1.200 €, Person B 3.700 €, Kosten 1.600 €: x = (1.200 − 3.700 + 1.600) ÷ 2 = −450 €. Es gibt keinen Beitrag, bei dem beiden gleich viel bleibt, ohne dass eine Person mehr zahlt, als sie hat.

In solchen Fällen ist der nächstmögliche Wert: Person A zahlt 0 €, Person B trägt die Kosten allein, und die Reste sind eben nicht gleich. Genau das unterscheidet eine ehrliche Rechnung von einer behaupteten: Der Haushaltsbudget-Rechner und der Mietaufteilungsrechner zeigen diese Grenze offen an, statt still ein unmögliches Ergebnis auszugeben.

Was das Modell im Alltag bedeutet

Der gleiche Restbetrag verschiebt die Last radikal zur Person mit dem höheren Einkommen. Nicht aus Solidarität, sondern aus Rechenlogik. Genau deshalb ist er so umstritten: Er macht sichtbar, wie viel Einkommensunterschied wirklich bedeutet. Für Paare, die das aushalten, hat er einen großen Vorteil: Er beendet die stillen Ungleichheiten des Alltags. Keine Person muss sich beim Restaurantbesuch einschränken, keine Person spart heimlich am gemeinsamen Leben vorbei. Beide haben dieselbe Basis.

Typische Fragen

Zahlt die Person mit mehr Einkommen dann immer alles? Nicht immer, nur dann, wenn der Restbetrag über dem Einkommen der anderen Person liegt. Je näher die Einkommen beieinanderliegen, desto ausgeglichener die Beiträge. Bei 2.800 € und 3.000 € und 1.600 € Kosten: x = (2.800 − 3.000 + 1.600) ÷ 2 = 700 €. Person A zahlt 700 €, Person B 900 €, beiden bleiben 2.100 €.

Was ist mit privaten Verpflichtungen? Das Modell sieht nur die gemeinsamen Kosten. Wer privat Unterhalt oder Schulden bedient, hat weniger. Das Modell blendet das aus. Paare, die den gleichen Restbetrag wählen, sollten deshalb auch die privaten Fixkosten offenlegen. Sonst ist die „gleiche Freiheit“ eine Illusion.

Muss ich mein Einkommen offenlegen? Ja, das Modell funktioniert nur mit ehrlichen Zahlen. Wer sich dabei unwohl fühlt, ist mit dem Einkommensmodell nicht besser beraten; beide brauchen die gleichen Informationen. Das Gespräch darüber ist Teil der Entscheidung, nicht ihr Preis.

Gesprächsimpulse

  • Ist „gleiche Freiheit“ für uns dasselbe wie „fair“?
  • Können wir beide unsere Einkommen und privaten Verpflichtungen offen auf den Tisch legen?
  • Was passiert, wenn die Einkommensschere größer wird: bleibt das Modell dann noch tragbar?
  • Wie würden wir uns fühlen, wenn die Rollen getauscht wären?

Der Maßstab

Der gleiche Restbetrag ist das Modell mit der klarsten Fairness-Idee und der größten Zumutung. Er verlangt Offenheit über Einkommen und die Bereitschaft, Einkommensunterschiede vollständig auszugleichen. Für Paare, die genau das wollen, ist er die sauberste Lösung. Für alle anderen ist er trotzdem wertvoll, als Maßstab: „Wie viel bleibt mir am Ende?“ ist die Frage, an der sich jedes andere Modell messen lassen muss.

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