Elternzeit, Care-Arbeit und faire Kostenverteilung

Wenn ein Einkommen wegfällt oder schrumpft: Elternzeit, Care-Arbeit und Sorgearbeit verändern die Finanzen von Paaren. So plant ihr fair.

ZUGEHÖRIGES MODELL: Nach Einkommen →

Zwei Flächen, die sich überlappen: eine große ruhige Fläche und eine kleinere, die hineinragt
ILLUSTRATION · ZWEITEILEN · RATGEBER

Elternzeit ist der Moment, in dem die meisten Finanzmodelle zum ersten Mal wirklich kippen. Ein Einkommen fällt weg oder schrumpft auf Elterngeld, die Ausgaben steigen, und gleichzeitig leistet eine Person Arbeit, die nicht auf dem Kontoauszug auftaucht: die Care-Arbeit. Wer jetzt weitermacht wie vorher, plant nicht, er hofft. Dieser Ratgeber zeigt, was ihr vorher klären solltet.

Was mit dem Einkommen passiert

Die wichtigste Zahl zuerst: Elterngeld ersetzt das wegfallende Nettoeinkommen nur teilweise. Der gesetzliche Basissatz liegt bei 67 % des Elterngeld-Netto. Wer vor der Geburt mehr als 1.240 € netto verdient hat, erhält 65 %; wer weniger als 1.000 € netto verdient, bekommt einen höheren Satz bis zu 100 %. Gedeckelt sind die Beträge: Mindestens 300 €, höchstens 1.800 € pro Monat, wobei für die Berechnung ein Nettoeinkommen von höchstens 2.770 € angesetzt wird. Die Zahlen gelten für Geburten ab April 2025; wir haben sie im August 2026 geprüft.

Dazu kommt eine Einkommensgrenze: Paare mit mehr als 175.000 € zu versteuerndem Jahreseinkommen erhalten kein Elterngeld. Bei Paaren zählt die Summe beider Einkommen, maßgeblich ist der letzte abgeschlossene Veranlagungszeitraum vor der Geburt.

Auch die Bezugsdauer hängt von beiden ab. Die vollen 14 Monate Basiselterngeld gibt es nur, wenn beide mindestens zwei Partnermonate nehmen, und jede Person kann höchstens zwölf Monate beziehen. Seit April 2025 dürfen beide Elternteile höchstens einen Monat gleichzeitig Basiselterngeld beziehen. ElterngeldPlus ist davon unberührt: Es beträgt die Hälfte des Basisbetrags (mindestens 150 €, höchstens 900 €), läuft doppelt so lange und kann parallel zum Bezug der anderen Person genutzt werden.

Was das konkret bedeutet: Ein Nettoeinkommen von 2.800 € wird durch Elterngeld von höchstens 1.800 € ersetzt. Es fehlen 1.000 € pro Monat. Und für die Person, die in Elternzeit geht, entsteht eine Lücke, die nach der Elternzeit nicht automatisch verschwindet: weniger Rentenpunkte, weniger Berufserfahrung, oft ein langsameres Karrierewachstum.

Ein Trost für die Rentenfrage: Während der ersten drei Lebensjahre eines Kindes zahlt der Bund für die betreuende Person Kindererziehungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung ein, etwa einen Entgeltpunkt pro Jahr. Die Zeiten laufen während der Elternzeit unabhängig vom Elterngeldbezug. Wer die Betreuung teilt, kann die Zeiten auch aufteilen.

Die unsichtbare Spalte: Care-Arbeit

Das Finanzmodell, das nur Einkommen kennt, übersieht die andere Hälfte der Rechnung. Wer Care-Arbeit leistet, also Kinderbetreuung, Haushalt, Organisation oder Pflege, arbeitet genauso viel, nur ohne Gehalt. In der klassischen Konstellation, eine Person in Elternzeit, eine im Job, entsteht daraus eine asymmetrische Lage: Die arbeitende Person gewinnt Einkommen und Karriere, die betreuende Person verliert beides, zumindest zeitweise.

Faire Modelle erkennen diese Asymmetrie an. Drei Ansätze, die Paare nutzen:

  1. Die Lücke gemeinsam tragen. Das Haushaltsbudget wird auf das reduzierte Gesamteinkommen umgestellt. Die Einbuße tragen dann beide, nicht nur die Person, deren Einkommen wegfällt. Konkret: Wenn vorher nach Einkommen aufgeteilt wurde, wird das Modell neu berechnet; wenn vorher andere Aufteilungen galten, werden sie auf die neue Realität angepasst.
  2. Der Ausgleich für die Care-Arbeit. Manche Paare vereinbaren, dass die berufstätige Person während der Elternzeit einen festen Beitrag zur privaten Altersvorsorge der betreuenden Person zahlt, als Anerkennung der Rentenlücke. Es gibt dafür keine gesetzliche Pflicht. Es ist eine Vereinbarung, die beide mittragen müssen.
  3. Die Rückkehr planen. Wie viele Stunden arbeitet wer nach der Elternzeit? Wer steigt wann wieder ein? Eine schriftliche Orientierung, etwa „nach zwölf Monaten steige ich mit 30 Stunden wieder ein“, schützt vor der stillen Erwartung, dass die Care-Arbeit dauerhaft bei einer Person bleibt.

Die Steuerfrage

Mit Kindern verändert sich auch die Steuerlast des Paares, und das wirkt auf die Aufteilung zurück: Kindergeld, Kinderfreibeträge und der Progressionsvorteil bei unterschiedlichen Einkommen (Steuerklassen, Ehegattensplitting bei Verheirateten) verändern die Nettoeinkommen. Seit Januar 2026 beträgt das Kindergeld 259 € pro Monat und Kind. Wer sein Aufteilungsmodell auf Nettoeinkommen stützt, sollte es nach der Geburt neu berechnen. Nicht aus Gier, sondern weil die Zahlen sich geändert haben. Der Haushaltsbudget-Rechner hilft dabei, die neue Basis sichtbar zu machen.

Zur Einordnung: Eine Kürzung des Elterngelds auf zwölf Monate ist seit Mitte 2026 als Gesetzentwurf im Gespräch, aber noch nicht beschlossen. Plant mit den heute geltenden Regeln und prüft die aktuellen Zahlen im offiziellen Elterngeldrechner des Familienportals, bevor ihr eure Planung finalisiert.

Was ihr vor der Geburt klären solltet

  • Die Elternzeit-Planung als Zahlenwerk: Wer geht wann in Elternzeit, wie viel Elterngeld kommt wann, was fehlt monatlich? Rechnet es durch, bevor die Entscheidung unter Zeitdruck fällt.
  • Die Aufteilung der Elternzeit: Nicht nur aus Karrieregründen, auch aus finanziellen. Die Partnermonate machen die Aufteilung zur Finanzentscheidung: Ohne zwei Partnermonate gibt es keine vollen 14 Monate.
  • Der Care-Arbeit-Ausgleich: Wollen wir die Rentenlücke der betreuenden Person ausgleichen, und wie?
  • Die Rückkehr-Regel: Wer steigt wann mit wie vielen Stunden wieder ein? Was passiert, wenn das nicht klappt?
  • Der Notfallplan: Was tun wir, wenn eine Person krank wird, die Kita wechselt oder der Job in der Elternzeit wegbricht?

Gesprächsimpulse

  • Wie viel Geld fehlt uns monatlich während der Elternzeit, und woher kommt es?
  • Wie würden wir die Elternzeit aufteilen, wenn Geld keine Rolle spielte, und wie sieht es mit Geld aus?
  • Was ist uns die Care-Arbeit wert, in Euro, in Zeit, in Anerkennung?
  • Wer trägt die Kosten der Elternzeit: die Person in Elternzeit, beide oder der Staat (Elterngeld)?

Vorher rechnen, nicht nachher

Elternzeit verändert die gesamte Ökonomie des Paares: weniger Geld, mehr Arbeit, eine neue Verteilung von Chancen und Risiken. Wer das vorher durchrechnet und bespricht, macht aus der Elternzeit eine gemeinsame Entscheidung statt einer stillen Lastenverschiebung. Die gute Nachricht: Die Zahlen sind einfacher, als sie klingen. Ihr müsst sie nur vorher anschauen, nicht nachher.

Dieser Artikel enthält allgemeine Informationen zum Stand August 2026. Elterngeld-Regelungen ändern sich; prüft die aktuellen Angaben im Familienportal des Bundes, bevor ihr plant.

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Quellen

Quellen geprüft: 11. August 2026. Gesetzliche Regelungen können sich ändern; prüft aktuelle Fassungen, bevor ihr weitreichende Entscheidungen darauf stützt.

HINWEIS

Dieser Inhalt dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung.

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